
»Ich erinnere mich noch an meine erste bewusste Wahrnehmung von Musik als kleines Kind: Peruanische Flötenklänge - zumindest vermute ich das heute (damals wusste ich noch nicht einmal, das es sich überhaupt um ›Musik‹ handelt). Als Kind ging diese Erfahrung einher mit einem inneren Bild und einem inneren Raum: Wunderschön, tief, riesig und dunkel, hoch wie eine Kathedrale mit entsprechenden Fenstern samt ihrem satten Farbenspiel. Ich war damals tief berührt und völlig von den Socken: Was ist das?
Heute (wo ich mir einiges Erklären kann) bekomme ich langsam wieder einen Zugang zu dieser Dimension der Musik. Und das, nachdem ich wertvolle Jahrzehnte durchlebte des Lernens, Übens, Erforschens, Verstehens und Nicht-Verstehens, Leidens und Jubilierens, Kämpfens und Aufgebens, Erfolgreich-Seins und Scheiterns sowie des Durchmessens unglaublich Komplexer Strukturen und Entdeckens unbegreiflicher Simplizität.
Ist nicht die sogenannte ›Komplexität‹ eigentlich Einfachheit, die wir nicht verstehen? Einfach so, wie es jetzt gerade ist – aber schwierig, intellektuell zu erfassen und zu benennen! Und nennen wir nicht das, was zu verstehen zu kompliziert wird, einfach ›Chaos‹ oder ›Zufall‹? Ist vieles nicht vielleicht zu einfach anstatt zu schwierig zu begreifen? Und hat nicht so manches, was jenseits des Verstandes liegt, einfach keinen Platz in unserer Lebensweise?
Meine musikalischen Projekte spiegeln verschiedene Stadien und Ebenen dieser Entdeckungen wieder. Gerade das Zusammenspiel mit anderen Musikern fordert mich immer aufs neue heraus, sowohl die jüngst gebauten als auch die altbewährten Konzepte über Musik und das Leben über Bord zu werfen.«